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Filmretrospektive: Bilder der Befreiung: Liberation Footage - Atrocity Pictures

03.05.2015 - 07.05.2015
ÖSTERREICHISCHES FILMMUSEUM: Augustinerstraße 1 (Albertina), 1010 Wien

Nichts hat die Vorstellung vom Holocaust nachhaltiger geprägt als die Filmaufnahmen aus den Konzentrationslagern, die unmittelbar nach deren Befreiung entstanden sind. Die Berge von Schuhen, Brillen und Haaren der Opfer in Auschwitz, die Zeichnungen auf der Haut der Ermordeten in Buchenwald, die ausgemergelten Körper der Toten in Bergen-Belsen, die von einem Bulldozer haufenweise in Massengräber geschoben werden: Die Schlüsselfunktion dieser Bilder beim Versuch der Visualisierung eines Verbrechens, das einem weitverbreiteten Konsens zufolge die Grenzen der Vorstellbarkeit und Darstellbarkeit überschreitet, steht in einem merkwürdigen Missverhältnis zum mangelhaften Wissen um ihre Entstehung und Verwendung. Die Filmretrospektive zeigt diese Bilder in ihren unterschiedlichen Kontexten, kontrastiert und ergänzt durch vergessene und verworfene Bilder aus geheimen und gescheiterten Filmproduktionen sowie durch private Aufnahmen aus Amateurfilmen. Die Retrospektive verlagert den Schwerpunkt der Aufmerksamkeit vom fertigen Film auf das ungeschnittene Rohmaterial, das in der Filmproduktion als „footage“ bezeichnet wird.

Die Filmretrospektive ist Siegfried Mattl (26.2.1954 – 25.4.2015) gewidmet.

PROGRAMMINFOS UND KARTENRESERVIERUNG:
So 03.05., 18.30 Memory of the Camps
Mo 04.05., 19.00 Newsreels & Reeducation
Mo 04.05., 20.45 Hollywood-Amateure: George Stevens & Samuel Fuller
Di 05.05., 20.30 Die Utopie Film: The Big Red One – Reconstructed
Mi 06.05., 18.00 U.S. Army Signal Corps
Mi 06.05., 19.30 U.S. Army Air Forces: Special Film Project 186
Mi 06.05., 21.15 Amateure
Do 07.05., 18.30 Nürnberg-Beweisfilme
Do 07.05., 21.00 Podiumsdiskussion: Film-Evidenz

DOWNLOADS:
Programm_Filmretro-Liberation-Footage_(Deutsch)
Programm_Filmretro-Liberation-Footage_(Englisch)

KURATOR: Ingo Zechner (IFK, Wien); EINFÜHRUNGEN: Barbara Glück (Wien), Marsha Gordon (Raleigh), Toby Haggith (London), Jeremy Hicks (London), Stuart Liebman (New York), Drehli Robnik (Wien), Leslie Swift (Washington D.C.), Lindsay Zarwell (Washington D.C.), Ingo Zechner (Wien); WEITERE TEILNEHMERINNEN: Michael Loebenstein (Canberra), Ulrike Weckel (Gießen)

Die Filmretrospektive ist eine gemeinsame Veranstaltung des IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften, Kunstuniversität Linz und des Filmmuseums, in Kooperation mit dem U.S. Holocaust Memorial Museum und dem Zukunftsfonds-Projekt „Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich“. Die Recherchen für die Konzeption der Filmretrospektive wurden durch das Raab Foundation Fellowship 2013 des Center for Advanced Holocaust Studies, United States Holocaust Memorial Museum ermöglicht.

Am 7. und 8. Mai 2015 veranstaltet das IFK eine internationale Tagung zum Thema:
Tagung „Liberation Footage – Atrocity Pictures“

Tagung: Liberation Footage - Atrocity Pictures

07.05.2015 (14:00-22:00) - 08.05.2015 (09:30-18:00)
IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften
Reichsratsstraße 17, 1010 Wien (Eintritt frei)

„The things I saw beggar description.“ General Dwight D. Eisenhowers Bemerkung über das Konzentrationslager Ohrdruf: ein Satz wie ein Monument, in seiner idiomatischen Form unübersetzbar ins Deutsche. Die Dinge, die er sah, spotten nicht jeder Beschreibung, sie entbehren, erschöpfen und übersteigen sie. Was jedoch sahen Eisenhower und tausende alliierte Soldaten bei der Befreiung der Lager im April und Mai 1945? Und was sahen sie nicht? Was konnten sie nicht sehen, weil es andernorts stattgefunden hat, zu einer anderen Zeit? Was sehen wir, wenn wir die Bilder betrachten, die alliierte Kameraleute in den Lagern aufgenommen haben? Und was hat man zu verschiedenen Zeitpunkten in unterschiedlichen Kontexten in ihnen gesehen? Was konnte man nicht sehen, weil die Kameras zu spät kamen, weil Equipment und Training der Kameraleute mangelhaft waren, weil die Bilder in kein Narrativ passten oder aus anderen Gründen in Archiven und privaten Sammlungen verschwunden waren? Und was unterscheidet Film und Fotografie? 70 Jahre nach dem Ende des Holocaust und 30 Jahre nach Claude Lanzmanns Film „Shoah“ ist es an der Zeit, nicht nur die Bilder vom Holocaust, sondern auch das vielzitierte Bilderverbot zu hinterfragen.

Die Tagung ist Siegfried Mattl (26.2.1954 – 25.4.2015) gewidmet, der dieses Thema in den akademischen Diskurs in Wien eingebracht hat. Er hätte Panel I leiten und moderieren sollen.

KONZEPTION: Ingo Zechner (IFK, Wien); TEILNEHMERINNEN: Marsha Gordon (Raleigh), Toby Haggith (London), Jeremy Hicks (London), Habbo Knoch (Köln), Stuart Liebman (New York), Michael Loebenstein (Canberra), Drehli Robnik (Wien), Leslie Swift (Washington D.C.), Ulrike Weckel (Gießen), Lindsay Zarwell (Washington D.C.), Ingo Zechner (Wien)

DOWNLOADS:
Programm_Conference-Liberation-Footage.pdf
Abstracts_Conference-Liberation-Footage.pdf

Von 3. bis 7. Mai 2015 zeigen das IFK und das Österreichische Filmmuseum in Kooperation mit dem United States Holocaust Memorial Museum und dem Zukunftsfonds-Projekt „Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich“ eine Filmretrospektive zum Thema:
Filmretrospektive „Bilder der Befreiung: Liberation Footage – Atrocity Pictures“

Projekt: Ephemere Filme: Nationalsozialismus in Österreich

Ziel des Projekts ist die konservatorische Sicherung, Digitalisierung, wissenschaftliche Erschließung und wissenschaftliche Auswertung einer einzigartigen Sammlung "ephemerer" Filme zum Nationalsozialismus in Österreich: rd. 50 weitgehend unbekannte und bisher nur eingeschränkt benutzbare Amateurfilme, Werbefilme, Institutionenfilme, Kulturfilme und andere Filmmaterialien zum Aufstieg der NSDAP ab 1932, zum "Anschluss" Österreichs 1938, zu den Kriegsjahren, aber auch zum jüdischen Alltagsleben vor der Shoa. Die Filmdokumente aus den Beständen des Österreichischen Filmmuseums und des United States Holocaust Memorial Museum in Washington D.C. werden in kommentierter Form (Deutsch/Englisch) einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, um das von Propagandafilmen geprägte Bild vom Nationalsozialismus zu ergänzen und korrigieren.

Teil 1 des Projekts (Projektleiter: Ingo Zechner und Michael Loebenstein; Humanities-IT: Georg Kö) wurde 2011 gestartet und 2013 abgeschlossen, Teil 2 des Projekts (Projektleiter: Ingo Zechner; Humanities-IT: Christopher K. Brown) läuft seit 2014. Wissenschaftliche Beratung: Siegfried Mattl.

Website:
Ephemeral Films Project

Partnerorganisationen des Projekts:
Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft
Österreichisches Filmmuseum
United States Holocaust Memorial Museum

Gefördert aus Mitteln des Zukunftsfonds der Republik Österreich.